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Verleihung der Ehrenmedaille an Herbert Tilmann und Egon Kock am 24. Mai 2024 in Werne

Am 24.05.2024 wurde die Ehrenmedaille an die Herren Herbert Tilmann und Egon Kock in Würdigung ihrer langjährigen Tätigkeit als Schiedsleute für die Stadt Werne verliehen.

Herr Christ, der Bürgermeister der Stadt Werne, begrüßte in der „Westfälischen Stube“ des Karl-Pollender-Museums neben den in der anhängenden Rede des Bürgermeisters aufgeführten Personen noch Vertreter und Vertreterinnen der Fraktionen des Rates der Stadt Werne, Familienangehörige sowie Leitung und Mitarbeitende des Ordnungsamtes.

Bei Amtsantritt der geehrten Schiedsmänner gab es in der Stadt Werne noch 4 Schiedsamtsbezirke. Beide Schiedsmänner haben sich vor Jahren bereiterklärt, ihren Bezirk zu erweitern und somit zu zweit das Stadtgebiet abzudecken. Die Feierstunde endete mit einem kleinen Imbiss und einer Aussprache über die vergangenen 25 Jahre Schiedsamtswesen in der Stadt Werne.

Die Schiedspersonen konnten noch einen historischen Pressebericht aus dem Jahr 1960 vorlegen, in dem von einem Protokollbuch aus dem Ortsteil Stockum berichtet wurde. Dort waren im Berichtszeitraum von 100 Jahren, 1860 – 1960, 7 Schiedsmänner und 260 Fälle verzeichnet.

 

Hierzu die Rede des Bürgermeisters der Stadt Werne, Lothar Christ:

Verleihung der Ehrenmedaille an Herbert Tilmann und Egon Kock am 24. Mai 2024


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich hier in der „Westfälischen Stube“ des Karl-Pollender-Museums. Dass wir uns hier zusammengefunden haben, hat einen ganz besonderen Anlass, nämlich die Verleihung der Ehrenmedaille an die
Herren Herbert Tilmann und Egon Kock in Würdigung ihrer langjährigen Tätigkeit als Schiedsleute.

Und so ist es leicht nachvollziehbar, dass ich neben den beiden zu Ehrenden und ihrer Begleitung heute auch den Direktor des Amtsgerichts Lünen, Herrn Dr. Niklas Nowatius, begrüßen darf, der die Leitung der Fachaufsicht über das Schiedsmannswesen wahrnimmt. Ebenso begrüße ich Frau Regina Kesting, die als Beisitzerin den Bund Deutscher Schiedsmänner und -frauen vertritt. Seien Sie uns alle zu dieser kleinen Feierstunde ganz herzlich willkommen.

Die Auszeichnung mit der Ehrenmedaille der Stadt Werne kann inzwischen auf eine mehr als 30-jährige Tradition verweisen und nahm ihren Anfang mit der Würdigung des Stadtverordneten Joseph Kremer am 19. März 1991 für seine drei Jahrzehnte lange Mitgliedschaft im Rat der Stadt. 

Viele langgediente Ratsmitglieder sollten folgen, aber auch zahlreiche andere Personen, die sich in unterschiedlicher Weise um unsere Stadt verdient gemacht hatten: ehemalige Bürgermeister, auch solche von Partnerstädten, ein Guardian des Klosters sowie ehrenamtlich Tätige, etwa in den Bereichen Feuerwehr, Städtepartnerschaften und Rotes Kreuz. Im April 1997 wurden dann mit Norbert Schriever, Hubert Schroer und Josef Klinkhammer erstmals auch drei langjährig tätige Schiedsmänner für ihr verdienstvolles Engagement ausgezeichnet. 

Heute nun, fast 27 Jahre später, habe ich die Ehre, wiederum zwei Personen, die sich um das Schiedsmannwesen verdient gemacht haben, die Ehrenmedaille zu verleihen. Und bei dieser Gelegenheit ist es durchaus angezeigt, kurz auf die Bedeutung dieser Institution hinzuweisen, wobei ein kleiner Blick in die Geschichte weiterhilft.

Nach der Neuordnung der europäischen Territorien in Folge des Wiener Kongresses 1814/1815 blieb in den zuvor französisch besetzten linksrheinischdeutschen Gebieten die Institution des sogenannten Friedensrichters bestehen, während das Königreich Preußen 1827 das Institut des Schiedsmanns einführte.
(Fast 200 Jahre sind seitdem vergangen.)

1827 war folgerichtig auch das Jahr, in dem die erste Schiedsmannsordnung, damals noch beschränkt auf zivilrechtliche Streitigkeiten, in Preußen in Kraft trat. 

Später folgten dann eine Ausweitung der Kompetenzen, eine Öffnung der zuvor eingeschränkten Zulassung als Schiedsmann für alle Bürger ohne Rücksicht auf deren Stand oder Herkunft und ab 1926 auch für Frauen. 

Heute gilt das Schiedsmannwesen in den meisten Bundesländern. Und bei bestimmten zivilrechtlichen Auseinandersetzungen, aber auch strafrechtlichen
Tatbeständen ist die Vorschaltung eines Schlichtungsversuchs obligatorisch. So werden die Gerichte nicht nur bei Fällen von Sachbeschädigungen, Beleidigung, Bedrohung oder Körperverletzung entlastet, sondern vor allem auch bei nachbarschaftlichen Streitigkeiten. Dabei erhalten die Schiedspersonen oft diesbezügliche Anfragen oder sie sitzen mit den Streitparteien an einem Tisch, um eine Klärung herbeizuführen. Nicht juristische Kenntnisse sind dabei gefragt, sondern gesunder Menschenverstand und Verhandlungsgeschick. 

Wer von uns kennt nicht die immer wieder vorkommenden Fälle, wo die Hecke des Nachbarn zu hoch ist, Obst und Laub über die Grenze fallen oder Musik und Hundegebell als zu laut empfunden werden?

Mit all solchen Themen haben sich Herbert Tilmann und Egon Kock über lange Jahre hinweg beschäftigt.
Herbert Tilmann, verheiratet, Vater zweier Söhne und früher bei der Ruhrkohle AG als Betriebsdirektor beschäftigt, darf auf 86 Lebensjahre zurückblicken. Am 19. Mai 2004 wurden Sie, lieber Herr Tilmann, vom Rat der Stadt Werne zum Schiedsmann des damaligen Bezirks II gewählt und am 1. Juli von der damaligen Leiterin des AG Lünen, Frau Dr. Knauer, eidlich auf die Erfüllung Ihrer Obliegenheiten verpflichtet.
Nach mehr als 20 Jahren, zuletzt als Schiedsmann für den Bezirk 1, endet nun also Ihre 4. Amtsperiode.

Noch länger, nämlich nach Ihrer Wahl am 17. Dezember 1997 und der Vereidigung durch den damaligen Leiter des AG, Herrn Hans-Joachim Koschmieder am 25. Januar 1998, haben Sie, sehr geehrter Herr Kock, das Amt
des Schiedsmanns ausgeübt, zuerst im Bezirk 4, d.h. in Stockum, Horst und Wessel, später im Bezirk 2.
Herr Kock ist 72 Jahre alt, verheiratet und hat ebenfalls 2 Söhne.

Anfängliche Zweifel, ob Herr Kock das Schiedsmannsamt angesichts seiner Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Werne (er war ja bekanntlich über lange Jahre Leiter des Ordnungsamtes) überhaupt ausüben dürfe, wurden schnell entkräftet, da es sich um klar getrennte Tätigkeiten ohne Interessenkonflikte handelte. Und so konnte Egon Kock sein Schiedsmannsamt ebenso gewissenhaft wahrnehmen wie seine Tätigkeit im Rathaus. Nach Ende seiner Amtsperiode im Jahr 2023 erklärte er sich sogar bereit, nach erfolgloser Suche eines Nachfolgers noch ein weiteres Jahr als Schiedsmann tätig zu sein.

Verehrte Anwesende,
die langen Amtszeiten von Herbert Tilmann und Egon Kock machen auch deutlich, dass es hier wie anderswo nie einfach war, Personen zu finden, welche dieses Amt auszuüben bereit waren. Und so freue ich mich, dass wir 2 neue Schiedsleute für Werne gefunden haben und mit Herrn Karsten Meinke einer der beiden neuen Schiedsleute heute anwesend ist.

Meine Damen und Herren,
es war sicherlich gut, dass in einem 2021 in Kraft getretenen neuen Schiedsamtsgesetz u.a. der Altersrahmen für die Wahl und auch die Regelungen der örtlichen Zuständigkeit erweitert wurden.

Verändert haben sich aber auch die Rahmenbedingungen und so konnten Sie, Herr Tilmann und Herr Kock, miterleben, wie die per Hand ausgefüllten Formulare verschwanden und die Digitalisierung Einzug hielt. 
Sie haben sich in Seminaren nicht nur mit neuen Techniken beschäftigt, sondern
auch fachliche Fortbildung erfahren. Termine und Gespräche mit dem Leiter des Amtsgerichts kamen hinzu.

All dies ergänzte und förderte die durchschnittlich 6 bis 10 Fälle, die Sie pro Jahr abzuwickeln hatten.

Und so haben Sie beide, wie viele andere Schiedspersonen dazu beigetragen, dass die Gerichte ganz wesentlich entlastet wurden. Dabei hat sich – wie eine Untersuchung der Bochumer Ruhruniversität ergab – herausgestellt, dass sich die vorgerichtliche Streitschlichtung für die Bürgerinnen und Bürger als äußerst positiv erwiesen hat. Sie ist schnell, verfügt über eine hohe Schlichtungsquote und ist geprägt von großer sozialer und rechtlicher Kompetenz.

Sehr geehrter Herr Tilmann,
sehr geehrter Herr Kock,
Sie haben über einen sehr langen Zeitraum hinweg das Amt des Schiedsmanns
in unserer Stadt wahrgenommen: ehrenamtlich, kompetent und mit großem
Engagement.

Dafür darf ich Ihnen im Namen der Bevölkerung, des Rates, aber auch
persönlich ganz herzlich Dank sagen und Ihnen nun als Ausdruck dieser
Wertschätzung die Ehrenmedaille der Stadt Werne überreichen.

Herzlichen Dank!